Ihr Browser versucht gerade eine Seite aus dem sogenannten Internet auszudrucken. Das Internet ist ein weltweites Netzwerk von Computern, das den Menschen ganz neue Möglichkeiten der Kommunikation bietet.

Da Politiker im Regelfall von neuen Dingen nichts verstehen, halten wir es für notwendig, sie davor zu schützen. Dies ist im beidseitigen Interesse, da unnötige Angstzustände bei Ihnen verhindert werden, ebenso wie es uns vor profilierungs- und machtsüchtigen Politikern schützt.

Sollten Sie der Meinung sein, dass Sie diese Internetseite dennoch sehen sollten, so können Sie jederzeit durch normalen Gebrauch eines Internetbrowsers darauf zugreifen. Dazu sind aber minimale Computerkenntnisse erforderlich. Sollten Sie diese nicht haben, vergessen Sie einfach dieses Internet und lassen uns in Ruhe.

Die Umgehung dieser Ausdrucksperre ist nach §95a UrhG verboten.

Mehr Informationen unter www.politiker-stopp.de.

aufsmaulsuppe

Annonciertes Filme und Wirklichkeiten Gefangen in Bildern der Kamera Geschichtsbilder Animation und Comics Sammelmappe weitere Kategorien
Dokumentation und Wirklichkeit 1:
Von reenacted newsreels bis Cinema verité
Auf das Verhältnis von Dokumentationen und "Wahrheit" hinzuweisen, ist nichts Neues. Auch nicht Authentizität bei der Darstellung besonders "wahrer" Tatsachen zu betrachten.
Deshalb hat es mich schon erstaunt, dass ich als ich zu der Entwicklung und den Zusammenhängen von Cinema verité und der Welle von Mischformen des dokumentarischen und des fiktionalen in den frühen 70er Jahren Literatur suchte auf Anhieb eher nichts gefunden hab.
Es gibt natürlich jede Menge Texte zum Cinema verité als solchen, und genauso gibt es einige Texte (wenn auch nicht übermässig viel) zu besagten Mischformen. Letzteres meist entweder unter dem modischen Begriff des 'fake' bzw der 'mockumentary' oder als Untersuchung des vor allem angelsächsischen docudrama.
Vorweg eine kleine Bemerkung zum Stil: dies ist eher eine Art Leseprotokoll, das ich zugänglich mache, weil es wie gesagt wenig zu der Entwicklung der Doku-fiktion im deutschsprachigen Raum gibt. Vieles m+sste besser und mehr belegt werden und oft auch noch genauer untersucht. Wenn ihr Hinweise habt, freu ich mich, wenn ihr die Kommentarfunktion nutzt...


Die Geschichte der Mischformen beginnt wahrscheinlich, wie beispielweise Parker Taylor (1979:252ff) ausführt, mit Newsreels um die Jahrhundertwende, die sich fiktionaler Bestandteile bedienen, um - ohne vor Ort gewesen zu sein - den heimischen Zuschauern Bilder von aktuellen Ereignissen liefern zu können.
Diese fiktionalen Elemente scheinen in diesem Kontext zunächst akzeptiert worden zu sein, inwiefern sie als fiktional oder wahr wahrgenommen wurden, ist wohl nicht abschliessend zu beantworten.

Einen ersten Einschnitt stellt, auch hier folge ich Taylor (254), die dezidierte Ablehnung von Films dar, die als authentische Frontaufnahmen des Ersten Weltkrieges vermarktet wurden. Zu diesem Zeitpunkt ist also so etwas wie Authetizität oder, wie Taylor vielleicht zu recht vorsichtiger formuliert, das eyewitness element bereits ein Beurteilungskriterium für Dokumentationen.



Einer der frühen Meilensteine des Fiktionalen, das sich dokumentarischer Elemente bedient, ist fraglos Orson Welles Adaption des H. G. Wells Klassikers "The War of the Worlds", die am Halloweenabend 1938 die Massen bewegte. Die Art wie Welles, die Handlung in eine fiktionale Radiosendung integriert, funktioniert noch heute erstaunlich gut.

Während des Zweiten Weltkrieges gibt sind es vor allem Propagandafilme, die oft eine Kombination von Dokumentation mit Fiktion benutzen. So gibt es unzählige Beispiele von Filmen, die dazu dienen sollten, den Alltag an den verschiedenen (Kriegs-)Schauplätzen zu zeigen, die durch fiktive Hauptcharaktere ansprechen sollten. John Corner (1999:36) spricht an dieser Stelle von story documentary.

Spätere Formen von Doku-fiktionen sind wie Tom W. Hoffer und Richard Alan Nixon bemerken, von reality based Radio-Serien beeinflusst. Dies trifft wohl vor allem auf die Art der Adaption wahrer Geschichten zu.
Ein anderer Punkt, der mir bislang wenig untersucht scheint, ist die Frage, ob und wie die politische Nutzung von solchen Anleihen bei der Realität bewertet wurde.



Eine These, die in diesem Zusammenhang wohl zu untersuchen wäre, ist die, ob es eventuell einen Zusammenhang zwischen den Sozialkinos der späten 40er bis 50er Jahre, wie etwa dem Neo-Realismus gibt. Auf den ersten Blick könnte es durchaus scheinen, dass die Art wie einige dieser Filme versuchen auf eine Realität, die nicht zur Kenntnis genommen wird, hinzuweisen, einen Anstoss für dem Cinema verité verbundenes Dokumentarfilmen war.



Die politische Intention der Sozialkinos, Wirklichkeit zu zeigen, und dadurch eine Veränderung zu fordern, bediente sich bisweilen Laien(-schauspielern), um eine authentische Atmosphäre zu erzeugen.
In mindestens zwei Hinsichten stellt Cinema verité, direct cinema oder cine-pravda eine Weiterentwicklung oder Reaktion auf diese Ansätze dar:
zum einen ist es politisch sicherlich wirkungsvoller die Wirklichkeit, die man geändert sehen will, nicht zu inszenieren, sondern "nur" zu filmen. Viel der Schlagkraft des Arguments hängt also an der Vermittlung des eyewitness elements.
Zum anderen heisst, nicht länger Schauspieler zu nutzen bzw die Laienschauspielern nicht länger Rollen sondern "sich selbst" spielen zu lassen, den Subjekten des Films zu erlauben für sich selbst zu sprechen, wie Jeanne Hall (1998:225) mit Verweis auf Allen und Gomery richtig bemerkt.



Diese Veränderungen des Settings von politisch intendierten Dokumentationen wurden möglich durch die technische Entwicklung kleiner handlicherer Kameras, die eine Person alleine bedienen konnte. Der Erfolg dieser Filme der späten 60er Jahre wird nicht zuletzt damit zu erklären sein, dass die Filme sich in den Film übertragener genuin journalistischer Mittel bedienten. Damit wurde eine Art Ur-Indymedia geschaffen.

Kleine Fussnote: die Bezeichnung Cinema verité geht auf Vertovs Ausdruck cine-pravda (wahres Kino) zurück. Das Gegenteil, unterhaltsames nicht-emanzipatives Kino, nannte Vertov cine-vodka.


Literatur

John Corner: British TV Dramadocumentary: Origins and Developments, in: Alan Rosenthal (Ed.): Why Docudrama? - Fact-fiction on Film and TV, Cabondale / Edwardsville: Southern Illinois Universoty Press 1999, S. 35-46

Jeanne Hall: "Don't You Ever Just Watch?" - American Cinema verité and Don't Look Back, in: Barry Keith Grant und Jeannette Sloniowski (Hg.s): Documenting the Documentary - Close Readings of Documentary Film and Video, Detroit: Wayne State University Press 1998, S. 223-237

Tom W. Hoffer und Richard Alan Nixon: Docudrama on American Television, in: Alan Rosenthal (Ed.): Why Docudrama? - Fact-fiction on Film and TV, Cabondale / Edwardsville: Southern Illinois Universoty Press 1999, S. 64-77

Parker Taylor: Documentary Technique in Film Fiction, in: Lewis Jacobs (Ed.): The Documentary Tradition, New York / London: Norton 1979, 251-266 (zuerst veröffentlicht in American Quaterly, Summer 1949)

Links

War of the Worlds:
www.war-ofthe-worlds.co.uk

Emanuel Levys Artikel Once Upon a Time, When Radio Was King...

New York Times Artikel über Reaktionen auf WotW: Radio Listeners in Panic, Taking War Drama as Fact

Trenton Evening Times Artikel vom 31. Oktober 1938

The Mercury Theatre on the Air



Cinema Verité / Direct cinema

Artikel über Cinema Verité in Deutschland mit Ausschnitt aus Dieter Ertel/Georg Friedls Film "Fernsehfieber" von 1963

Senses of cinema Sensesofcinema Artikel über Donn Alan (D. A.) Pennebakers Klassiker Don't Look Back

Artikel von screen online zum Thema
Dokudrama




Dokumentation und Wirklichkeit 2: Von Cinema verité zum Re-enactment

orcival 11. Dezember 2006 (0 Shpiel) gefangen in Bildern der Kamera
  ... your shpiel! ... link