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aufsmaulsuppe

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Eduard Schreiber Retro im Krokodil
Eines von Berlins meist übersehenen Kinos, das Krokodil hat vorgestern eine Retrospektive mit einigen Filmen Eduard Schreibers gestartet.

Das sieht hoch interessant aus, auch wenn leider leider schon einiges vorbei ist. Besonders hingewiesen sei auf Montage adé am nächsten Freitag, 6.11., 19h und die Filme des 26.11.: Tod im Kreml von Schreiber um 18:45h gefolgt von zwei Ausgaben des Augenzeugen, der DDR-Wochenschau zum Tode Stalins. Auf dieses Programm wiederum folgt Horatiu Malaeles Stille Hochzeit - Zum Teufel mit Stalin (Nunta muta). (letzterer läuft zwar außerhalb der Retro scheint mir aber trotzdem einen Hinweis wert...)

Hier der Flyer zur Retro:
Flyer

orcival 1. November 2009 (0 Shpiel) Annonciertes
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[Leipzig] VIIIa: Retro Andrei Chrschanowski - Programm 1
Die diesjährige Animationssektion in Leipzig umfasst neben vielem anderen auch eine leider nicht vollständige, aber doch recht ansehnliche Retrospektive der Filme Andrei Chrschanowskis. (Für eine vollständige Auflistung aller Filme Chrschanowskis siehe die Biographie-Seite des diesjährigen Film Festival Rotterdam oder hier auf Animator.ru).

Die zwei Programme gliedern sich entlang der Wende von 1989/1992. Das erste umfaßt also die Filme bis dahin und das zweite die nach 1990 entstandenen.



Das Programms wird eröffnet durch Chrschanowskis erste Regiearbeit Жил-был Козявин / Schil-byl Kosjawin / There Lived Kozyavin. Eine von Gennadi Sokolski (der später für seine Cartoon-Serie Nu Pogodi berühmt werden sollte), Waleri Uganow, Stanislaw Sokolow, Waldimir Morosow, Anatoli Petrow (Gründer des Animationsprogramms Vesyolaya Karusel / The Happy Merry-Go-Round), Juri Kusjurin, Wladimir Arbekow und Dmitri Anpilow animierte Bürokratie-Satire. Die eigentlich eher profane Aufgabe, einem gewissen Sidorow auszurichten, dass der Kassierer angekommen sei, führt Kozyavin einmal um die ganze Welt. There Lived Kozyavin ist eine ausgesprochen gelungene Bürokratie-Satire. Besonders bemerkenswert ist hier bereits Chrschanowskis Raumauffassung/-darstellung. Die Räume die Kozyavin durchläuft sehen aus wie ein wildes Cross-over von De Chirico und Mirò. Ebenso bemerkenswert ist die Musik, die, obwohl Chrschanowski für diesen Film noch nicht mit Alfred Schnittke arbeitete, sondern dem Filmkomponisten German Lukjanow.



Der wahrscheinlich bekannteste Film Chrschanoskis aus dieser Zeit ist Стеклянная гармоника / Stekljannaja garmonika / Glass Harmonica. Der Film, der in an der Kunst der (italienischen) Renaissance und des Barock orientierten Bildern, eine Parabel über die Macht erzählt, ist der einzige Film des Regisseurs der von der Zensur verboten wurde. Der Film ist eine Adaption einer Geschichte von Lasar Lagin. Immerwieder taucht trotz der Versuche der Macht, die von Magritte artigen Männern mit Melonen dargestellt wird, eine Harmonika aus Glas auf, die die Menschen dazu bringt, sich der Zurichtung durch die Macht zu entziehen.

Eine interessante Frage ergibt sich an der Rekonstruktion der Uhr als Zeichen der Wiederherstellung der als machtfrei imaginierten Ordnung: vor dem Hintergrund der Bedeutung des Taylorismus und der in diesem angelegten Bedeutung der Uhr bzw. der in der Stechuhr verkörperten Zeit auch oder gerade im spätimperialen Russland ist das ein seltsames Bild. Wird an dieser Stelle wirklich die Wiederherstellung von Freiheit gefeiert oder nur der Austausch einer Macht durch eine andere?

Nicht zuletzt ist der Film bemerkenswert für die Zusammenarbeit mit Alfred Schnittke und das nahezu gleichberechtigte Nebeneinander von Bild und Tonebene. In seinen Ausführungen betonte Chrschanowski, dass der Film nicht nur für ihn unglaublich wichtig war, weil er trotz des Verbots für ihn einen Durchbruch bedeutete - und schließlich konnte er ja auch weiterhin für Sojusmultfilm) arbeiten und weitere Filme realisieren.





Während Stekljannaja garmonika und dem vierten Film des Programms Babotschka / Butterfly in Bezug auf die Bildsprache etwas Opulentes zu eigen ist, ist Schkaf / Armoire wohl so nah wie man mit Chrschanowski an eine Miniatur kommt - ein Mann räumt nach und nach seine gesamte Habe in ein Ungetüm von einem Schrank, der in seiner Wohnung auftaucht. Es liegt nahe, den Film für mehr als nur die Geschichte eines Mannes im Schrank zu halten. Ob er sich allerdings eher als Parabel der inneren Emigration oder als Auswirkungen der Angst auf einen Mann lesen läßt, läßt sich nicht ohne weiteres entscheiden...

Rückblickend ist Schkaf daher zwischen Stekljannaja garmonika und Бабочка / Babotschka / Butterfly perfekt gesetzt: während sich Stekljannaja garmonika und auch sein Vorgänger kaum anders denn als Parabel lesen lassen, ist dies im Falle von Babotschka / Butterfly nicht mehr so leicht möglich. Der Film über einen Jungen, der alles Fliegende sammelt und daher anfängt, Schmetterlinge zu jagen und in Einweckgläser zu sperren, schließlich aber selbst von einem Riesenschmetterling entführt wird, enthält durchaus symbolhafte Bilder - diese lassen sich jedoch nicht ohne weiteres deuten, ohne in die Trivialität abzugleiten. In dieser Perspektive stellt Schkaf die Wende weg von der Eindeutigkeit dar.

Das bestätigt sich in den letzten beiden Filmen dieses ersten Programms Дом, который построил Джек / Dom, kotoryi postroil Dschek / The House That Jack Build und Королевский бутерброд / Korolewski buterbrod / The King's Sandwich. Beide sind entstanden nach Gedichten für Kinder. Was sich in Dom, kotoryi postroil Dschek jedoch in einer eher harmlosen grafischen Spielerei verläuft, während sich in Korolewski buterbrod die ganze anarchische Kraft des Gedichtes von A. A. Milne entfalten kann, an dem König, der durch die einfache Bitte um Butter für das Brot das ganze Königreich in Aufruhr versetzt. An der Eingangssequenz hätte Sylvain Chomet seine Freude gehabt.

An allen Filmen aus diesem Programm und vielen des zweiten war Anatoli Abarenow als Animator ebenso beteiligt wie Rosa Chusnutdinowa als Skript-Schreiberin.

Einen guten einführenden Überblick über die Geschichte des russischen/sowjetischen Animationsfilms bietet die englische Wikipedia-Seite

Zu Chrschanowski siehe die folgenden Artikel in Kino Zapiski, bei Animator und Kultura-Portal.

orcival 31. Oktober 2009 (0 Shpiel) gefangen in Bildern der Kamera
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[Leipzig] VII: My Heart Beats Only For Her
Mohamed Soueid siedelt seinen neusten Film in Dubai, Beirut und Hanoi an: ausgehend von der Lebensgeschichte von Hatem Hatem, besser bekannt unter seinem nom de guerre Abu Hassan Hanoi, versucht sich der Film an der Geschichte gegenseitiger Anstöße. Viele der Interviewten betonen die Bedeutung des Vietnamkrieges für die arabischen militanten Bewegungen der 60er-70er Jahre. Mit dem Tagebuch seines Vaters als Reisegepäck versucht sich Hatem Hatems Sohn Hassan in Hanoi an einer Spurensuche zur Biographie seines Vaters und des vietnamesischen Flügels der Fatah.

Soueids Film erfreut sich derzeit eindrucksvoller Beliebtheit sowohl auf internationalen wie arabischen Filmfestivals wie dem Libanese Film Festival.

zum Hintergrund des Films sei die Lektüre dieses Artikels aus dem Daily Star.

orcival 31. Oktober 2009 (0 Shpiel) gefangen in Bildern der Kamera
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[Leipzig] VI: Die Unbeirrbaren André Schmidt vs Lutz Stützner
Entgegen meiner Erwartungen musste ich mich doch eher quälen vor Mediokrität im ersten Programm von Die Unbeirrbaren. Wobei die Mediokrität noch das angenehmere der Gefühle war - doch dazu kommen wir bei Lutz Stützner noch. Erst der positive Teil.

André Schmidt gehört für mich zu den Leuten, von denen ich vor diesem Festival noch rein gar nichts gehört hatte. Um so angenehmer positiv überrascht zu werden und zwar mehr oder weniger ausgeprägt von allen drei Filmen, die von ihm im diesjährigen Sonderprogramm der Animationssektion in Leipzig laufen. Die Gänsemagd von 1987, Biotop von 1990 und Der Baum von 2000 sind alle drei bemerkenswert.

Die Gänsemagd, 1987 also noch zu Bestehen der DDR unter der Regie von Horst J. Tappert entstanden, ist im Prinzip eine recht konventionelle Adaption des Grimm'schen Märchens. Aber auch wenn ich das im Prinzip natürlich spätestens seit Lotte Reiniger weiß, war ich doch überrascht was für wunderschöne Bilder man mit Scherenschnitten erzeugen kann. Wer kann, sollte sich den Film unbedingt als Beispiel dafür ansehen, wieviel in dem Genre Märchenanimationsfilm möglich ist und wie zeitlos so etwas wirken kann. Ganz anders und sehr viel mehr an Gesellschaft interessiert die beiden anderen Filme von Schmidt: Biotop und Der Baum beide schon unter Schmidts eigener Regie entstanden, sind interessante Beispiele für einen ökologisch interessierten Film.



Biotop konfrontiert in angenehm unaufgeregt experimenteller Weise die Hast und das Grau der Großstadt mit der Ruhe und Größe einer Meerlandschaft. Was an dem Film fasziniert, ist die Stimmigkeit mit der Schmidt die Bilder findet, mit denen er sich (und den Film) vor allzu großer Vereinfachung bewahrt. Das gelingt etwas weniger gut in Der Baum. Mit zwei Worten ließe sich der Film als "über Nachhaltigkeit" beschreiben: ein Mann stößt auf einen Apfelbaum, und isst den ersten Apfel. Dieser erste macht Lust auf mehr. Nachdem alle Äpfel gegessen sind, muß der Baum selbst dran glauben und so weiter. Man sieht: überraschend ist das nicht, aber auch hier beeindruckt irgendwie die Bescheidenheit der Inszenierung, die so wenig von dem üblichen Weltretter-Pathos der Umweltbewegung an sich hat.

Ganz anders Lutz Stützner, dessen drei Filme eine Qual der ganz besonderen Wahl waren: Herzdame ist eine Art Ausspielen sexistischer Klischees. Vielleicht war das auch mal irgendwie ironisch oder sonst wie gemeint, aber eigentlich ist der Film hauptsächlich eines: sexistische Kackscheisse.
Zwei Hähne sitzen beim Kartenspiel als eine Henne vorbeiläuft. Sofort sind die beiden sabbernde Macker. Übergriffig, unerträglich, aggressiv - halt so, dass es auch wenn es mal lustig gemeint war, sich eher auf der Ebene eines Herrenwitzes erschöpft.
Inselwitz funktioniert ähnlich, tut dabei allerdings so als wär er politisch: drei männliche Schiffsbrüchige sabbern eine Meerjungfrau voll. Als diese aber ihre Liegematte auf die Insel wirft, haben die drei nichts besseres zu tun, als eine Fahne draus zu machen und dieser zu salutieren. Naja.

Richtig ekelhaft wurde es dann aber bei der Vorführung eines Zusammenschnitts aus Der kleine König Macius. Dass solch eine Ansammlung rassistischer Klischees als Kinderunterhaltung in Deutschland immer noch verbraten werden darf, spricht mal wieder Bände. Also: Macius wird König und ein General intrigiert gegen ihn, indem er ihn auf eine Insel "voller Wilder" schickt, die auch noch "Kannibalen" sind. Das ganze mit entsprechenden Bildern, inklusive wulstiger Lippen, Kochtopf und Affen. Der Kolonialismus feiert fröhliche Urständ, der Deutsche lacht dazu und Stützner kriegt Beifall. In Blues Brothers Paraphase: Stützner kann beide Arten Kackscheisse: sexistische und rassistische. Der wirklich unangenehmste Abend, den ich bisher auf einem Festival erleben musste.

orcival 30. Oktober 2009 (0 Shpiel) gefangen in Bildern der Kamera
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[Leipzig] V: 1428
Haibin Dus 1428 schildert in teils absurden aber stets sehr konkreten Szenen die Hilfsaktionen für die Erdbebenopfer von Sichuan vom Mai 2008 in einer Art Chronik des Scheiterns. Immer wieder konstratiert er die Selbstglorifizierung der Partei mit Bildern der real existierenden Zuständen. Damit, dass viele andere Bilder nur entstehen, sobald chinesische Offizielle in der Nähe sind, bricht der Film auf eine Weise, bei der es erstaunt, dass sie überhaupt möglich ist. so etwa in einer Szene gegen Anfang des Films: ein Parteivertreter bei einem Pressetermin entdeckt "zufällig" einen Mann, der sich sein Essen kocht. Den Deckel lüpfend entdeckt der Parteifunktionär, dass der Mann sogar Fleisch statt der Instant Nudel Ration kocht. Nach einigen Scherzen hin und her bricht das Erdbebenopfer in eine Eloge auf die Hilfsleistungen der Partei aus. Gleich darauf sieht man: damit hat er seine Funktion erfüllt. Der Tross zieht weiter und nur die Kamera Dus verweilt in der Nähe des Erdbebenopfers, das um seinen Kochtopf mit Fleisch fürchtet.

Die Art wie der Film immer wieder der offiziellen Inszenierung eines helfenden Volkes, geführt von einem altruistischen Bildapparat, Bilder von den Geschäftemachern und den Hindernissen, die die Politik den Helfer_innen in den Weg legt, entgegenstellt, beeindruckt auch in ihrem Vertrauen auf den nur um weniges ergänzten Kommentar durch die Montage. Zugleich verfolgt der Film von Anfang an eine klare Struktur und flicht auch visuelle Fäden durch die Gesamtlänge des Films.

Beim Sehen des Films fragt man sich, warum dieser Film nur an den Computern des Dok Market zu sehen ist, während der sehr arty geratene Disorder im regulären Programm auf der Leinwand läuft.

orcival 30. Oktober 2009 (0 Shpiel) gefangen in Bildern der Kamera
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