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aufsmaulsuppe

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[Leipzig] IV: Uiuiuiuiui
Gleich zwei Filme des diesjährigen Festivals geben einem mit Blick auf das italienische Filmschaffen zu denken.
Sual Saguattis und Audrey Coianiz' Transit City #2 - Roma Astratta ist ein Film, den man zwar als wenngleich belanglose Party-Visuals auf der Party seiner Nachbarn akzeptieren würde, der aber auf einem Filmfestival definitiv deplaziert wirkt. Die bloße Leistung in Gebäuden geometrische Formen wiederzuerkennen ist ja wohl nichts, was man auf vorführen müsste. Dass dem Film jede darüberhinausgehende Gestaltung abgeht und er wahllos Gebäude, deren Abstraktion und Musik zusammenklumpt, verstärkt das Gefühl des Fehlgriffes.

Während aber Transit City #2 - Roma Astratta nur überflüssig ist, ist Gaza Hospital von Marco Pasquini richtiggehend ärgerlich: der Film ist ein weiteres Beispiel für die Gattung italienische dumm antizionistische Filme, die sich in ihrem 70er Jahre-Internationalismus für politisch halten. Der Film rekonstruiert teils in Interviews, teils mit Archivmaterial die Geschichte des Gaza Krankenhauses in Beirut. Was eigentlich ein spannedes Thema hätte werden können, reduziert Marco Pasquini erfolgreich auf die Aussage: mann, was Sabra und Shatila schlimm. Übrigens wussten Sie, dass Sabra und Shatila echt schlimm war. Wow, Sabra und Shatila, das war ein Massaker! - und das anderthalb Stunden lang.

Eine Auseinandersetzung mit der Rolle der PLO im Libanon, eine Erwähnung der gegenwärtig (nicht zuletzt im Film) sehr lebendigen Debatte in Israel um den Libanonkrieg als eine Art israelisches Vietnam und so weiter und so fort - alle auch nur irgendwie interessanten Fragestellungen bleiben ausgespart. Das ist definitiv die Art Filme, die in Bezug auf Fragen des Lebens in Israel und den arabischen Ländern eher Teil des Problems als Teil der Lösung sind.

orcival 29. Oktober 2009 (0 Shpiel) gefangen in Bildern der Kamera
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[Leipzig] III: Animadok
b) Prayers for Peace
Der stimmigste Film des Programms war Dustin Grellas Prayers for Peace: Grellas Umgang mit dem letzten Tonzeugnis seines als US-Soldat im Irak gestorbenen kleinen Bruders, beeindruckt durch Nüchternheit und inszenatorisches Können. Von der ersten Szene an, in der der Erinnerungsfluß des alter egos des Regisseurs durch eine Installation (ein Zaun aus gelben Bändern, von denen jedes für einen toten Soldaten steht) ausgelöst wird, beherrscht der Film seine Mittel: während die Pastellzeichnungen des Films weitestgehend in schwarz-weiß gehalten sind und nur in einzelnen Szenen von verhaltener Farbigkeit durchbrochen werden, sind die Bänder der Installation gleich den Solidaritätsschleifen mit den Truppen im Irak grellgelb.
Auch während der Wiedergabe der Tonaufnahme läßt sich Grella das Bild nicht nehmen: die teils schwer verständliche Aufnahme wird durch Verschriftlichung des Gesagten verständlicher, aber Grella betont durch das Transkript auch die quasi-poetische Form des Gesprochenen.

orcival 29. Oktober 2009 (0 Shpiel) gefangen in Bildern der Kamera
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[Leipzig] III: Animadok
a) Eher beeindruckend als gut
Im diesjährigen Animadok-Programm gab es gleich zwei Filme, die zwar als Filme eher nicht überzeugen, aber inhaltlich doch sehenswert sind: Slavar / Slaves von Hanna Heilbron und David Aronowitsch und Fokker's Mountain Path.

Slavar / Slaves ist eine sehr klassisch erzählte, eher unterdurchschnittlich animierte Bebilderung zweier Kinder, die im Sudan von arabischen Reitermilizen verschleppt und als Sklaven gehalten wurden. Die Wucht des Interview ist beeindruckend. Die Schilderung der Greultaten ebenso. Insgesamt hinterläßt der Film jedoch sehr den Eindruck, das Ziel eine westliche Öffentlichkeit über die Zustände im Sudan aufzuklären über jedes Interesse an (filmischer) Form gestellt zu haben.

Luhsun Tans Fokker's Mountain Path verarbeitet den Tagebuchbericht eines weißen Kolonialsoldaten in den niederländischen Kolonien mit dem Schwerpunkt auf der Internierung in einem japanischen Lager während des Zweiten Weltkrieges. Thematisch durchaus nicht uninteressant, wenngleich etwas arg unkontextualisiert, mischt der Film Techniken und Bildsprachen scheinbar ohne Konzept. Die ebenso fehlende Struktur macht den Film nicht besser.

Für ein selten behandeltes Detail des Zweiten Weltkrieges, und die globale Perspektive auf diesen (die in Berlin ja gerade Gegenstand einer eher unrühmlichen Debatte war, ist der Film aber ganz spannend. Im Rahmen des Programms, war er überdies ein brauchbarer Gegenpol zu Wendy Morris neustem Film zur belgischen Kolonialgeschichte, der etwas arg zum Krud-experimentellen tendierte.

orcival 29. Oktober 2009 (0 Shpiel) gefangen in Bildern der Kamera
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[Leipzig] II: El General / The General


Der erste Film des Festivals war für mich Natalia Almadas El General / The General: angeregt von Tonaufnahmen ihrer Großmutter begibt sich die Regisseurin auf die Spurensuche nach der Geschichte ihres Urgroßvaters, des Generals Plutarcho Elias Calles, oder dem was davon bis heute wirkmächtig ist.
Auf der konkreten Ebene der Spurensuche verbleibt der Film allerdings eher auf einer Ebene, die ihn für den Mittwochabend auf Arte qualifiziert. Eine weitgehend eher durch den Tonkommentar umrissene Faktengeschichte, die sich in den Interviews einer "Zeitzeugin", in diesem Falle die Großmutter, spiegelt. Ins Verhältnis gesetzt zueinander werden sie nicht.

Die Momente in denen der Film darüberhinaus geht, blitzen von Zeit zu Zeit auf der visuellen Ebene auf: die Konfrontation der Newsreel-Aufnahmen Callas mit betont grellfarbigen Aufnahmen aus dem Mexiko der Gegenwart, zeugt immerhin von einem Konzept im Umgang mit filmischen Quellen. Die inhaltliche Grundlage für die Wahl dieses Konzeptes läßt sich freilich nicht unbedingt erkennen.

Zwei Seitenbemerkungen:
1) Almada hantiert für die Darstellung eines Bildes von der mexikanischen Revolution wiederholt mit Bildern und anderen Quellen aus und zu Eisensteins Viva Mexiko!-Projekt. Für mich hat sich dabei - nachdem ich letztens Soy Cuba gesehen habe, und finde, dass sich durchaus Ähnlichkeiten feststellen lassen - die Frage ergeben, ob es so etwas wie eine sowjetische Tradition filmischer Darstellung Lateinamerikas bzw. lateinamerikanischer Revolutionen gibt.

2) Sieht man wie sehr Callas sich als Präsident mit der katholischen Institutionalisierung christlichen Aberglaubens, will meinen der katholischen Kirche, angelegt hat und wie wichtig das in der Propaganda von Hearst gegen ihn war, ist mir unklar, warum der Machtfaktor Kirche sowenig Beachtung in den lateinamerikanischen Beispielen eines Dritten Kinos gefunden zu haben scheint. - Ein wenig mehr Priesterabknallen a la Bunuel hätte es schon sein dürfen...

orcival 29. Oktober 2009 (0 Shpiel) gefangen in Bildern der Kamera
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[Leipzig] I: Aufbau
Kaffeeschlürfend und mit dem laptopkuschelnd rumzusitzen, während um einen herum Filmfestivals aufgebaut werden, ist sowieso ein Gefühl, das ich sehr mag, aber wenn ich so hier in Leipzig rumlungere und mich an den Nerv erinnere, der die Berlinale zunehmend ausmacht, dann ist der Unterschied schon beeindruckend.

Das Programm ist mal wieder erfreulich mit Specials zu afrikanischem Dokumentarfilm, der Joris Ivens-Retro des Bundesarchivs, die man sich ja eigentlich schon letztes Jahr anläßlich der DVD-Box Veröffentlichung in den Niederlanden gewünscht hätte (das deutsche Equivalent scheint bei Absolut nun endlich verfügbar zu sein (wenn auch wohl erst ab Freitag, 30.10. und nicht wie auf der Website mitgeteilt schon seit 16.10....
und natürlich die vielen tollen Animationsfilmreihen. Animadok ist zwar diesmal nur ein Programm lang, aber dafür gibt es ja auch noch den Wettbewerb, die Animationsfilme für Kinder, die erstaunlich gute Sonderreihe Die Unbeirrbaren - DDR-Animationsfilmer nach 1989 und erst recht die Andrei Chrschanowski-Retro.

Überhaupt: relevante Kurzfilmprogramme zu zeigen, das ist was, wovon sich die Berlinale eine Scheibe abschneiden könnte. Andererseits scheint mir, nachdem ich mich letztens unvorsichtigerweise auf die Kurzfilmnächte des BR eingelassen hab, das Problem weiter verbreitet zu sein.

orcival 29. Oktober 2009 (1 Shpiel) gefangen in Bildern der Kamera
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Vom Glück des Vinyls
Zu den Freuden des Sammlers zählt, dass sich das Sammeln irgendwann verselbständigt. (Zumindest ist das ein Glück, solange das Fassungsvermögen der Wohnung bzw. der Umzugshelfer_innen nicht überschritten wird.) Seit letztem Wochenende liegt nun also ein Stapel von etwa 40 Singles neben meinem Plattenspieler, die aus Toronto ihren Weg zu mir gefunden haben.
Das Spannende am vorliegenden Fall ist einerseits, dass es sich fast ausschließlich um süditalienischen Pop aus den 70er-80er Jahren handelt und zwar in oft kanadischen Pressungen; andererseits, bin ich doch ein wenig überrascht, wie stark zerkratzte Platten noch abspielbar sind (und sogar noch recht ansehnliche Hörergebnisse zeigtigen). Fast keiner der Namen hat beim Googlen nennenswerte und weiterführende Treffer gebracht, was ein wenig erstaunlich ist, weil z.B. die italienische Wikipedia-Seite eigentlich recht gut bestückt ist, wenn es um Populärkultur geht. In dem Teil, den ich bislang gesichtet und belauscht habe, bin ich eigentlich nur im Falle von Rocco del Sud fündig geworden und zwar mit diesem Video (Link)



Das spannende an Rocco del Sud ist, dass er in im Internet immer mal wieder - wenn auch nur als wanna-be - in die Nähe von Sinatra und Elvis gerückt wird, aber wenn man das Video sieht, denkt man aus heutiger Sicht eher an eine Art Fan-Video und (zumindest ich) habe nicht geglaubt, dass der Mensch, den man da sieht, auch wirklich Platten veröffentlicht. Eine derartige nicht-Ästhetik ist irgendwie selbst für low- oder no-budget erstaunlich. Das sieht mit diesen Sprossenwand (heissen die Dinger in den Turnhallen so?) schon sehr nach Schulsport aus...

Stay tuned for weitere Sammlungsupdates.

orcival 29. Oktober 2009 (0 Shpiel) toenendes
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Israel, DVDs und Veröffentlichungspolitik
Den Hinweis auf den ich via dvdbiblog gestossen bin, dass nämlich cineaste auf diverse "Veröffentlichungen" auf DVD hinweist, die sich mit Dokumentationen zum sog. Nahost-Konflikt befassen.

"Veröffentlichung" ist deswegen mit Vorsicht zu geniessen, weil die DVDs teilweise um die 300 $ kosten und also wohl kaum von Privatpersonen genutzt werden können.

Andererseits: wenn man die Beschränkung zahlreicher dieser Produktionen in Bezug auf den Vertrieb betrachtet, der normalerweise nur in einer Festivalauswertung besteht, dann kann man diese Hinweise nur begrüssen. Vielleicht gibt es ja in ferner Zukunft auch mal DVDs für den privaten Markt. In Israel selbst tut sich in dieser Hinsicht jedenfalls nach der geballten nachholenden Veröffentlichungsflut zum 60sten Jubiläum jedenfalls einiges.

orcival 20. Juli 2009 (0 Shpiel) Veröffentlichungspolitik
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Il divo, R: Paolo Sorrentino, IT 2008



Paolo Sorrentinos Film gehört zu den seltenen Fällen, in denen italienische Filme es auch in Deutschland in die Kinos schaffen. Das ist erstaunlich und wird noch erstaunlicher wenn man sich im Kino einem Film gegenübersieht der von Anspielungen auf die italienische Zeitgeschichte nur so stotzt und dieses Wissen weitgehend einfach voraussetzt. Die ästhetischen Qualitäten des Films trösten einen oft genug über eine weitere unverständlich gebliebene Hintergrundinformation hinweg. Um so mehr erstaunt das durchaus positive Echo, das dem Film widerhallte. Andererseits schien diesen Urteilen in vielen Fällen das Fehlurteil zu grunde zu liegen, es gehe dem Film um die Enthüllung des Verhältnisses zwischen Andreotti und der Mafia.

Diese Einschätzung übersieht, dass die Kontakte Andreottis zu mafiosen Kreisen in Italien ein offenes Geheimnis sind und also keineswegs enthüllt werden müssen. Interessanter ist schon, dass die Frage, ob man an diesen nie justiziabel nachgewiesenen, aber allgemein bekannten Kontakten Anstoß nimmt, politisch entschieden wird; und zwar in einer Weise, die noch immer den Frontstellungen des Kalten Kriegs folgt. Neuerdings unterstützt durch die Geschichtsklitterungstaktik des Hetzens von Berlusconi und seinem Geschwärl gegen alles war im Ruche der Liberalität steht.

Dies gesagt, ist Il Divo ein erstaunlich unentschiedener Film: nahezu über die gesamte Länge des Films bleibt offen, ob der Film sich an einem – von Anfang an zum Scheitern verurteilten – neuerlichen Versuch probiert, Andreotti seine Kontakte und mafiosen Verstrickungen nachzuweisen oder einfach nur Porträt sein will. Zum Scheitern wäre der Versuch eines Nachweises verurteilt, weil einem Film wohl kaum gelingen wird, was in jahrelangen journalistischen Recherchen und zahlreichen Prozessen nicht nachgewiesen werden konnte. Dieser Punkt ist also entgegen seiner in der deutschen Rezeption aufgeblasenen Bedeutung eher zu vernachlässigen.



Vielversprechender scheint da schon der zweite Strang des Films zu sein, der mit erstaunlicher Detailfreude ein Porträt eines der bedeutendsten und charismatischsten Politikers der italienischen Nachkriegszeit zeichnet. Denn wer nur auch nur die Fakten von Andreottis Laufbahn nachliest, wird einräumen müssen, dass sich Andreotti wohl durch mehr als seinen brillianten machiavellianischen Umgang mit der Macht auszeichnet. Die interessantesten Stellen des Films verdanken sich denn auch der Darstellung der Eigentümlichkeiten des italienischen Politsystems wie etwa dem unverhüllten Patronatssystems, das innerhalb der italienischen Politik der Nachkriegszeit auch überlebt hat. Alles in allem drängt sich beim Sehen des Films schon in der Tat der Eindruck auf, dass es dem Film eher genutzt hätte, statt einer Wischiwaschi-Profanität des Mafiosen Suppe ein konzentriertes Porträt eines konservativen Politikers und dessen Milieu zu zeichnen.

Zum Schluß noch einige Worte zu den wirklich eindrucksvollen Qualitäten der Inszenierung und Kameraarbeit des Films: immer wieder klingen im Film barocke Bildelemente an; dies mag der Tradition des Herrscherporträts geschuldet sein, in der der Film auch steht. Andererseits ist gerade diese Seite, die bei aller Opulenz der Mittel (von der deutlich bewußten Inszenierung der Farbigkeit bis zu den oft in Untersicht gefilmten Einstellungen Andreottis) mit dem Barock eben auch die Verliebtheit in die Abstrusität des Realen teilt. Und in diesem Sinne ist Il divo ein mindestens ebenso gelungener Barockfilm wie Derek Jarmans Caravaggio.

orcival 25. Mai 2009 (0 Shpiel) gefangen in Bildern der Kamera
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